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ESA Astronaut Reserve receives new training patch
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Die Astronautenreserve der ESA schließt ihre zweite Ausbildungsphase ab

18/11/2025 451 views 6 likes
ESA / Space in Member States / Germany

Von Anfang September bis Ende Oktober 2025 absolvierten die Mitglieder der ESA-Astronautenreserve den zweiten Block ihrer intensiven Ausbildung am Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Köln.

Dieser baute auf der ersten Phase des Astronautenreserve-Trainings (ART) auf, die Ende 2024 und Anfang 2025 in zwei getrennten Gruppen absolviert wurde. In dieser zweiten Phase kamen beide Gruppen zu acht intensiven Trainingswochen zusammen, um ihre technischen Kenntnisse, operativen Fähigkeiten und körperliche Fitness für zukünftige Missionen zu verbessern.

Ein Höhepunkt dieser Phase war die ART-Patch-Zeremonie, bei der die Mitglieder der Astronautenreserve Sara García Alonso aus Spanien, Meganne Christian und John McFall aus Großbritannien, Anthea Comellini und Andrea Patassaaus Italien, Carmen Possnig aus Österreich, Arnaud Prost aus Frankreich, Amelie Schoenenwald aus Deutschland und Aleš Svoboda aus Tschechien ausgezeichnet wurden.

Technische Grundlagen und Weltraumsysteme

Die Ausbildung begann mit einem Überblick über die Funktionsweise von Weltraummissionen. Die Mitglieder der Reserve lernten Grundlagen der Planung von Weltraummissionen, Antriebstechnik, Raumfahrtsysteme und der Weltraumumgebung kennen. Dieses Wissen hilft Astronautinnen und Astronauten, die Fahrzeuge und Umgebungen, in denen sie arbeiten werden, zu verstehen und schnell zu reagieren, wenn etwas schiefgeht.

Zu den Themen gehörten Raumfahrzeugstrukturen, Wärmemanagement, Energiesysteme, Kommunikation, Lageregelung, Orbitalmechanik, Rendezvous, Wiedereintritt sowie Umgebungskontroll- und Lebenserhaltungssysteme.

Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf das Leben an Bord der Internationalen Raumstation. Das Team übte den Umgang mit den Systemen, die Befehls- und Datenverarbeitung, die Steuerung und Navigation, die Vorbereitung von Experimenten und die Verwendung von Kameras und Videogeräten. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für den täglichen Betrieb, die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung und den Kontakt zur Erde.

Operatives Training und immersive Erfahrungen

VR-Training mit der Astronautenreserve der ESA
VR-Training mit der Astronautenreserve der ESA

Sie absolvierten ein Überlebenstraining auf See in Rostock, nahmen an Feuerlöschübungen teil und unterzogen sich Tauchprüfungen für Gasttaucher in der Neutral Buoyancy Facility des EAC. Diese Module simulieren Notfallszenarien und Mikrogravitationsbedingungen und bereiten Raumfahrende auf Außenbordeinsätze und ungeplante Landungen in abgelegenen Umgebungen vor.

Virtual-Reality-Sitzungen (VR) ermöglichten eine immersive Einweisung in das Innere und Äußere der Raumstation, während die Grundlagen der Außenbordeinsätze durch Extended-Reality-Simulationen (XR) vermittelt wurden.

Die körperliche Fitness wurde erhoben und anhand regelmäßiger Trainingseinheiten kontinuierlich geprüft, um die Bereitschaft für die körperlichen Anforderungen der Raumfahrt sicherzustellen.

Menschliche Physiologie und Nutzlastentwicklung

Anatomie-VR-Training mit der Astronautenreserve der ESA
Anatomie-VR-Training mit der Astronautenreserve der ESA

Die Gruppe absolvierte außerdem ein Modul zur menschlichen Anatomie und Physiologie, das alle wichtigen Körpersysteme und deren Reaktion auf die Raumfahrt behandelte. Dieses Wissen ist für die Gesundheit der Crew und die medizinische Forschung auf der Raumstation von entscheidender Bedeutung.

Gleichzeitig wurden sie in den Bereichen wissenschaftliche Arbeit, Nutzlastentwicklung und Durchführung von Experimenten im Orbit geschult. Diese Fähigkeiten sind wichtig, um die Forschung in Bereichen wie Biologie, Physik und Materialwissenschaften durchzuführen und zu unterstützen.

Fotografie, Video und Öffentlichkeitsarbeit

Fotografie-Training mit der Astronautenreserve der ESA
Fotografie-Training mit der Astronautenreserve der ESA

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Programms war die Einweisung in Fotografie und Videoproduktion. Diese Fähigkeiten sind für die Dokumentation von Missionen, die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit unerlässlich.

Die Gruppe nahm auch an Interviews, Outreach-Veranstaltungen und anderen Kommunikationsaktivitäten teil. Diese Erfahrungen bereiten sie auf die öffentliche Seite ihrer Rolle vor – die ESA zu vertreten und junge Generationen zu inspirieren.

Weltraumrecht und -politik

Darüber hinaus wurden die Mitglieder der Reserve in internationales Weltraumrecht, nationale Vorschriften und die rechtlichen Aspekte neuer Weltraumaktivitäten eingeführt. Diese Sitzungen vermitteln einen Überblick über Weltraumforschung und -kooperation und helfen ihnen, die Rahmenbedingungen ihrer Missionen zu verstehen.

Ausblick

Dieser zweite Block der gemeinsamen Astronautenreserveausbildung am EAC war ein wichtiger Meilenstein im Engagement der ESA, ihre Astronautenreserve auf zukünftige Missionen vorzubereiten. Mit einer soliden Grundlage an technischen, operativen und kommunikativen Kompetenzen ist die Gruppe gut aufgestellt, um zu den Ambitionen Europas im Bereich der astronautischen Raumfahrt beizutragen. Sie werden in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zur letzten Phase der Astronautenreserveausbildung zurückkehren.

Persönliche Eindrücke aus der Gruppe

Sara García Alonso

„Seit wir letztes Jahr den ersten Block abgeschlossen haben, habe ich mich auf die Rückkehr für diesen zweiten Teil der Reserveausbildung gefreut. Die Einheiten zu Physiologie und Nutzlastentwicklung waren von besonderer Bedeutung. Zu sehen, wie biomedizinische Forschung in Weltraumoperationen umgesetzt wird, war unglaublich motivierend. Es ist spannend, daran zu denken, zu Experimenten beizutragen, die das Leben auf der Erde und im Weltraum verbessern könnten. Diese Erfahrung mit einem so talentierten Team zu teilen, machte es noch besonderer.“

Meganne Christian

„Ich habe es sehr genossen, für diesen zweiten Ausbildungsblock ans EAC zurückzukehren, wo ich mein Verständnis für eine Vielzahl von Themen vertiefen und meine Beziehungen zu dem kompetenten und engagierten Team dort stärken konnte. Es war faszinierend, mehr über unsere Arbeit im Weltraum zu erfahren: von der Physik und Technologie bis hin zu den Gesetzen und Vorschriften, die dafür gelten. Außerdem fand ich es toll, neue praktische Fähigkeiten wie Fotografie und grundlegende medizinische Aufgaben zu erlernen. Es war sehr bereichernd, diese Herausforderungen gemeinsam mit meinen Kamerad*innen zu meistern.“

Anthea Comellini

„Von der Weltraumphysiologie bis zur Einführung in die Subsysteme der Raumstation waren die Module äußerst interessant. Die Tatsache, dass wir zum ersten Mal als komplettes Team trainiert haben, machte die Erfahrung ganz besonders: Die Vielfalt der Gruppe bereicherte jede Diskussion und Übung, und wir hatten viele Gelegenheiten, voneinander zu lernen. Dies ist sicherlich eines der Dinge, die ich an dieser Ausbildung am meisten geschätzt habe, zusammen mit der Professionalität und Erfahrung des Ausbilderteams.“

John McFall

„Es war großartig, die Mitglieder der Astronautenreserve im Europäischen Astronautenzentrum versammelt zu haben. Die Zeit als Team und die gemeinsame Patch-Zeremonie haben diese Zeit zu etwas Besonderem gemacht. Es war eine schöne Art, die Gruppe und die Reise, an der wir alle teilhaben, zu würdigen.“

Andrea Patassa

„Ich fand das Training zu Orbitalmechanik und -systemen besonders interessant und eine passende Erweiterung meines Hintergrunds in der Luftfahrt. Gleichzeitig habe ich die Kurse geliebt, die mich weit aus meiner Komfortzone herausgeholt haben, wie Medizin oder Fotografie. Insgesamt war das Training unglaublich vielfältig und anregend, und das Beste daran war, es gemeinsam mit der Gruppe zu erleben. Es hat unseren Zusammenhalt wirklich gestärkt, und ich fühle mich privilegiert, diese Reise mit den anderen teilen zu dürfen.“

Arnaud Prost

Ich bin zutiefst dankbar für diesen zweiten Ausbildungsblock am EAC. Jeder Tag bot etwas Neues und Inspirierendes – vom Kennenlernen der Systeme der Raumstation über das Tauchen in der Neutral Buoyancy Facility bis hin zum Erleben von Außenbordeinsätzen oder EVAs in der virtuellen Realität. Vor allem aber waren es die Begegnungen, die diese Reise so besonders gemacht haben: Die gemeinsamen Momente mit meinen Kolleg*innen aus der Astronautenreserve und den hervorragenden Ausbilder*innen des EAC sind wirklich unvergesslich.

Amelie Schoenenwald

„Die Ausbildung bot eine einzigartige Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und den sehr wichtigen operativen Aspekten. Besonders gefallen haben mir die Anatomie- und Medizinausbildung sowie das Tauchen, was gut zu meinem Hintergrund passte. Die Virtual-Reality-Simulationen und Parabelflüge gaben uns einen Einblick in die Arbeit an Bord der Raumstation. Diese Reise mit einer so engagierten und vielfältigen Gruppe zu teilen, machte die Erfahrung wirklich unvergesslich.“

Aleš Svoboda

„Die Rückkehr zum EAC für diese nächste Phase der Astronautenausbildung fühlte sich an, als würde ich mich wieder mit etwas verbinden, das mir viel Freude macht – zu lernen, wie Raumfahrt wirklich funktioniert. Die Parabelflüge waren eine unglaubliche Erfahrung. Es ist eine Sache, Mikrogravitation zu studieren, aber eine andere, sie zu spüren. Ich habe es auch sehr genossen, tiefer in die Luft- und Raumfahrttechnik und die Orbitalmechanik einzutauchen, wo die Theorie dann mit der operativen Seite von Weltraummissionen zusammenpasst. Und die durch virtuelle und erweiterte Realität unterstützten Einheiten, von der Anatomie bis zur Struktur der Internationalen Raumstation, zeigen, wie sehr sich die Ausbildungstechnologie weiterentwickelt hat. Es ist eine faszinierende Mischung aus Wissenschaft, Technik und menschlicher Anpassung.“